Mehr Sichtbarkeit. Mehr Power. – UN Jahr der Frauen

von Marietheres Förster

Das Jahr 2026 wurde von den Vereinten Nationen (UN) zum “International Year of the Woman Farmer” (IYWF 2026) erklärt. Damit sollen weltweit mehr Sichtbarkeit, Wertschätzung und (monetäre) Anerkennung für die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft geschaffen werden. Für Länder wie Deutschland, mit funktionierender Demokratie, verfassungsmäßig verbriefter Gleichberechtigung und hohem nationalen Einkommen eigentlich nicht relevant – könnte man oberflächlich sagen. Doch der Alltag zeigt anderes …

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Ja, in Deutschland haben wir die privilegierte Situation von Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung – für die ich sehr, sehr dankbar bin – und damit haben wir ganz andere Anliegen, als Frauen zum Beispiel im Iran, in China oder in Venezuela. Gleichzeitig können wir über die Frage, wie die Gleichberechtigung im täglichen Leben funktioniert, trefflich diskutieren, denn Gleichberechtigung heißt nicht Gleichstellung. Betrachten wir allein die unterschiedliche begriffliche Zuordnung in Deutschland zum UN-Jahr, wird deutlich, dass der Bedarf zu mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung der Leistungen von Frauen in ganz verschiedenen Bereichen gesehen wird: So lesen wir vom Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, der Frauen in ländlichen Räumen, der Unternehmerinnen, der Landwirtinnen, von der Stärkung der Rolle der Frauen in der Landwirtschaft oder der Stärkung mit Bezug zum Ehrenamt, wenn z. B. das UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft auf der Seite des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLEH) unter der Rubrik „Ehrenamt“ eingeordnet, oder von Frauen in Agrar‑ und Ernährungssystemen.

Es sind also Frauen gemeint, die sich im Ehrenamt engagieren, die einen landwirtschaftlichen Betrieb leiten – als Mitunternehmerin oder in ihrem Eigentum – die in der Landwirtschaft tätig sind und die vielen Frauen, die aktiv zu lebendigen Strukturen in den ländlichen Räumen beitragen – mit ihrem Unternehmergeist, mit einem genialen Ideenreichtum, oftmals selbstlosem Einsatz und viel Gespür für soziales Gefüge und Strukturen sowie für Dialog und Austausch. Als Beispiel sei hier die Frau genannt, bei der der Laudator zur Verleihung des Ehrenamtspreises 2025 fragte, ob sie bei dem vielfältigen Engagement überhaupt noch zu Hause sei. Ihre Antwort: „Ja, und meine Familie trägt das mit. Solche Aufgaben kommen aus dem Herzen und dann kann ich nur ganz oder gar nicht.“ Oder die Frau, eine gestandene, taffe Betriebsleiterin, die im Training bei der Schilderung einer vermeintlichen Lappalie ihres Arbeitsalltags in Tränen ausbrach – weil die Gesamtbelastung einfach so enorm war und ist.

Veranstaltungen & Termine – Was finde ich wann und wo?

Viele Tagungen, Netzwerk- Informations- und Qualifizierungsveranstaltungen werden im Laufe des Jahres 2026 von unterschiedlichen Organisationen und Akteuren angeboten. Dazu bietet die AHA allen Veranstaltern von Events zum UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft die Möglichkeit, ihre Termine und Weblinks auf einer zentralen Website einzustellen. Allen Interessierten bietet dies die Möglichkeit, möglichst viele Termine aufbereitet auf einen Blick zu bekommen.

 

Breites Themenspektrum für Frauen weltweit – Frauen in der Region

Aber was bedeutet nun das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft für die Zielgruppe Frauen konkret und was hat Weiterbildung damit zu tun?  Versuchen wir mal Schritt für Schritt das so komplexe Themenfeld zu beleuchten: Im UN-Kontext organisiert werden soll das Jahr der Frauen in der Landwirtschaft durch die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen), jeweils in Zusammenarbeit mit anderen UN-Agenturen.  Aufgaben der FAO sind, eine Welt ohne Hunger zu schaffen – durch bessere Ernährung, nachhaltigere Landwirtschaft und internationale Zusammenarbeit.

Auch das zeigt, wie breit das Thema Frauen in der Landwirtschaft angelegt ist. So vielfältig das Verständnis, so vielfältig wie die Aufgaben, die Frauen wuppen, so vielfältig sind die Bedarfe und Ausgangssituation der Frauen, auf die das UN-Jahr zielt. Letztlich vereinend ist, das UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft stellt die Frauen in den Mittelpunkt. Damit verbunden ist Empowerment der Frauen. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Wortwahl. Oftmals wird Sichtbarkeit und Wertschätzung mit Stärkung der Frauen synonym verwendet.

Diese Stärkung der Frauen ist ein wesentlicher erster Schritt, damit Frauen sich so souverän wie möglich aufstellen und ihre Leistung selbstbewusst vertreten können. Und das ist der Beitrag, den Aus- und Weiterbildung, Coaching und Vernetzung leisten kann, den wir als Auftrag der Bildungsanbieter verstehen. Dazu zählt natürlich eine fundierte Ausbildung. Und dazu zählen persönliche, soziale, unternehmerische und Vernetzungs-Kompetenzen, sowie Wissen und Können zu politischer Mitwirkung.

Dies spiegelt den Bedarf wider, den wir global und regional sehen, um strukturelle Barrieren abzubauen und Frauen global und regional zu stärken. Was letztlich jede Frau daraus macht, bleibt ihr überlassen. ABER: Jede Frau sollte den Zugang zu solchen Qualifizierungsmöglichkeiten haben, jede Frau sollte ihre Lebens- und Alltags-Entscheidung selbst treffen und sie vor allem auch ungehindert umsetzen können.

Um diese Möglichkeiten auch tatsächlich zu nutzen, braucht es Angebote, die auf die Bedürfnisse der Frauen zugeschnitten sind. Unsere Weiterbildungs- und Coaching-Programme oder unser Unternehmerinnen-Fachgespräch bieten genau diese Chance – für mehr Sichtbarkeit, Selbstbewusstsein und Handlungsspielraum im Alltag, im Beruf und im Ehrenamt.

Und wer noch mehr lesen möchte, hier mal ein paar Zahlen:

Frauen in Agrar-/Forstwirtschaft und Gartenbau sind eine besonders vulnerable Gruppe in der Branche. Die 2023 veröffentlichte Studie veranschaulicht einen deutlich Gender Gap bei den Betriebsleitungen und Hofnachfolgen. Frauen sind danach unter anderem: Unternehmerin (11 %), Familienmanagerin, Verant­wortliche für gesell­schaft­liche Ver­netzung, arbeiten im Betrieb (83 %) haben eigene berufliche Standbeine im Betrieb (52 %) und arbeiten in außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten (knapp 40 %). Sie sind als Co-Betriebsleiterin oftmals verantwortlich für die bürokratischen Anforde­rungen (62 % der befragten Frauen) und „Puffer“ für vielfältige anfallende Aufgaben. Die Diskrepanz zwischen Verantwortung auf der einen und langfristiger finanzieller Absicherung auf der anderen Seite ist hingegen groß: 72 % der hier befragten Frauen gaben an, dass sie in den Betrieben stra­te­gisch-unternehmerischen Einfluss haben, Gleichzeitig waren zum Zeitpunkt der Erhebung (2020) 11 % der Frauen Betriebsinhaberinnen und 18 % in der Phase der Betriebsübernahme. Quelle: Frauen.Leben.Landwirtschaft – Die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen in der Landwirtschaft*

Die Autorin

Marietheres Förster

Geschäftsleiterin agrarcampus

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