#50 – Kommunalfinanzen am Limit: Wie steht es um die Dorf- und Gemeindekassen?

von Louis Schlag

32 Milliarden Euro. Das kommunale Finanzdefizit stellte im Jahr 2025 einen unrühmlichen Rekord in der Geschichte der Bundesrepublik auf. Im Alltag der Menschen bedeutet es oft höhere Kitapreise, fehlende Sanierungen bei Sportanlagen und steigende Grundsteuern. Aber wie konnte es so weit kommen? Und wie kommen wir aus der Situation wieder raus?

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In unserer 50. Jubiläumsfolge von “LandAussichten” beleuchten wir die aktuellen Herausforderungen der Kommunalfinanzen und suchen nach Lösungen. Unser Gast, Dr. Dominik Frankenberg vom Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen, geht mit uns auf Ursachensuche. Dabei nimmt er uns mit in die Funktionsweise des kommunalen Finanzsystems und bringt Ideen mit, wie die Dorf- und Gemeindekassen nachhaltig gestärkt werden können.

Um die aktuellen Herausforderungen besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Im frühen 19. Jahrhundert, nach der Niederlage Preußens im Vierten Koalitionskrieg, wurden umfassende Reformen initiiert, die auch die Kommunalverwaltung betrafen. Die Stein-Hardenbergschen Reformen hatten zum Ziel, die Selbstverwaltung der Gemeinden zu stärken und das Interesse der Bürger:innen an öffentlichen Angelegenheiten zu fördern. Diese Reformen führten zu einer größeren Autonomie der Kommunen gegenüber dem preußischen Zentralstaat.

Heute steht die kommunale Handlungsfähigkeit erneut unter enormem Druck. Ein vom Städte- und Gemeindebund, dem Landkreistag und anderen Institutionen organisierter Aktionstag “Kommunen am Limit” hat kürzlich auf die gravierenden finanziellen Defizite in den Gemeinden aufmerksam gemacht. Die Ursachen sind vielfältig: Steigende Ausgaben, besonders für Sozialleistungen und Infrastrukturprojekten. Sinkende Steuereinnahmen, bedingt durch den demografischen Wandel und die gesamtwirtschaftliche Rezession. Auf Bundes- und Landesebene kommen zudem gesetzliche Vorgaben hinzu: neue Leistungen, die auf kommunaler Ebene bereitgestellt werden und die Haushalts- und Personalsituation weiter belasten.

Man muss die kommunale Grundfinanzierung stärken. Die Kommunen brauchen mehr Geld und auch mehr Freiheit, über dessen Nutzung zu bestimmen. Kommunen wissen am besten, wo der Schuh drückt.

Dr. Dominik Frankenberg, Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen

Die Herausforderungen gefährden nicht nur die finanzielle Stabilität der Kommunen, sondern auch ihre Fähigkeit, grundlegende Dienstleistungen für die Bürger:innen bereitzustellen. Im Alltag bedeuten klamme Kommunen für die Bürger:innen weniger ÖPNV, höhere Kitapreise, ausbleibende Schwimmbadsanierungen oder höhere Hundesteuern.

Für Dominik Frankenberg braucht es für den Weg raus aus der kommunalen Finanzkrise unter anderem mehrerer Dinge: eine stärkere finanzielle Autonomie der Kommunen, um freier über ihre Finanzen entscheiden zu können. Und eine Reform des Finanzausgleichs zwischen Bund, Ländern und Kommunen, die eine dauerhafte, auskömmliche Finanzierung und kommunale Handlungsfähigkeit sicherstellt.

Die Diskussion um die Kommunalfinanzen ist komplex, aber entscheidend für die Zukunft ländlicher Räume in Deutschland. Denn die Bewertung des Staates und seiner Leistung erfolgt insbesondere im täglichen Erleben vor der eigenen Haustür. Um aus der Sackgasse zu kommen, braucht es deshalb künftig eine besonders enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen, um die finanziellen Herausforderungen zu meistern.

 

Weiterführende Infos:

Der Autor

Louis Schlag

Referent Entwicklung Ländlicher Räume