Gleichzeitig geht es um die Frage, was wir heute von solchen Erfahrungen lernen können. Wladimir Sgibnev blickt kritisch auf eine Mobilitätswende, die sich stark an Digitalisierung, Automatisierung und großen Zukunftsversprechen orientiert. Denn manchmal liegt die Lösung näher: ein verlässlicher Takt, ein gut ausgebautes Busangebot oder die Reaktivierung einer Bahnstrecke können im ländlichen Raum deutlich mehr bewirken als die nächste Hightech-Idee.
Der Blick geht deshalb auch auf Beispiele, die in Deutschland bislang wenig bekannt sind: funktionierende Nebenbahnnetze und Oberleitungsbusse in Mittel- und Osteuropa ebenso wie Bürgerbusmodelle in Sachsen. Was diese Ansätze verbindet: Sie müssen nicht spektakulär sein, sondern vor allem vor Ort funktionieren und zu den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen passen.
Zum Schluss wird es noch einmal grundsätzlicher: Was können wir aus alltäglichen Nachhaltigkeitspraktiken in postsozialistischen Regionen lernen? Und warum muss nachhaltiges Leben nicht immer sichtbar, neu oder besonders innovativ sein? Das Gespräch zeigt, dass ländliche Mobilität eng mit regionaler Entwicklung, gesellschaftlichem Zusammenhalt und der Frage verbunden ist, wie wir unseren Alltag organisieren.