Schon gewusst, dass…..

von Louis Schlag

… es in Italien ein touristisches Qualitätssiegel gibt, das die schönsten Dörfer und Kleinstädte auszeichnet?

Wer kennt es nicht? Man ist im Italienurlaub. Nach drei Tagen Mittelmeer oder Chlorwasser wird die Haut schon schrumpelig und die inneren Hummeln strömen vom Bau in den Hintern. Man möchte etwas erleben, eins der malerischen italienischen Bergdörfer entdecken, in die mittelalterliche Atmosphäre eintauchen und einen granatapfelroten Spritz auf einer Piazza trinken. Aber für welches Dorf entscheidet man sich, wenn man nicht gerade einen Reiseführer zur Hand hat?

Genau hierfür gibt es die Bandiera Arancione (Orangene Flagge). Als Qualitätssiegel für Tourismus und Umwelt wird sie an ländliche Gemeinden (>15.000 Einwohnende) vergeben, die sich durch ein besonderes Stadtbild und eine ausgezeichnete Tourismusinfrastruktur kennzeichnen. In die Bewertung fließen dabei insgesamt 250 Kriterien aus den Bereichen Ortsqualität, Nachhaltigkeit, Information, Unterkunfts- und Dienstleistungsangebot und touristische Anziehungspunkte ein.

Besonders ist dabei das mehrstufige Zertifizierungsverfahren. Zum einen findet im Rahmen der Bewertung auch eine vor-Ort Begehung sog. Ghost-Visitors statt, welche die Gemeinden anonym besichtigen. Außerdem erhalten alle Bewerbergemeinden, unabhängig von der finalen Entscheidung, individuelle Empfehlungen, wie sich das touristische Angebot vor Ort verbessern lässt.

Initiiert wurde das Siegel 1998 vom ligurischen Ableger des Touring Club Italiano (ICT, einem mit dem ADFC/ADAC vergleichbaren Verein), mit dem Ziel, die ländlichen Regionen Liguriens aufzuwerten. Das Projekt wurde im weiteren Verlauf auf das ganze Land ausgeweitet und zielt besonders darauf ab, den Tourismus weiterzuentwickeln, die vorhandenen Ressourcen aufzuwerten und regionale landwirtschaftliche Produkte, Kunsthandwerk und das Investitionsklima in den Kommunen zu stärken.

Selbstverständlich gibt es auch abseits der zertifizierten Dörfer im ländlichen Ligurien, der Toskana und Kalabrien viel zu entdecken. Dennoch richtet die Bandiera Arancione das Scheinwerferlicht weg von den touristischen Magneten der Städte auf kleine, ländliche Schmuckstücke. Wenn ihr den Artikel gerade zwischen italienischen Pinien und romanischen Kirchen lest, schaut doch mal in die Karte des ICT rein. Vielleicht wartet um die Ecke eines der ausgezeichneten Dörfer.

Der Autor

Louis Schlag

Referent Entwicklung Ländlicher Räume

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