Ein bewegender Abend rund um das Scheitern auf dem Land

von Louis Schlag

Afrikanische Raubwelse, selbstbewusste Unternehmer, kritische Dorfbewohner:innen und sich zu Wolkenkratzern stapelndes Papier: Mit vier inspirierenden Impulsen, einer kurzweiligen Paneldiskussion und offenen Gesprächen an den Stationen des World Cafés bot unser Event Land.Lehren alles, was zu einem gelungenen Abend rund um das Scheitern auf dem Land gehört.

Grit Körmer, Oliver Klein, Uleshka Asher und Barbara Schubert haben etwas gemeinsam. Diese vier Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen haben bei unserer Veranstaltung “Land.Lehren – Geschichten vom Scheitern und Weitergehen” etwas getan, das im beruflichen Kontext eher eine Seltenheit ist: sie haben offen über ihre Misserfolge gesprochen. Über Projekte, die nicht recht fliegen wollten, über Entscheidungen, die sich als falsch herausstellten, und über alles, was danach kam.

Oliver Klein, Geschäftsführer der Agrarsozialen Gesellschaft, plauderte aus dem Nähkästchen seines Berufseinstiegs, in dem er ein Cluster der Ernährungswirtschaft rund um Bremen und Oldenburg aufbauen sollte. Doppelstrukturen, Top-down-Logik, fehlende Nachfrage und praxisferne Bezeichnungen brachten das Projekt letztlich zum Scheitern und setzten einen Prozess in Gang, der in Frustration und Resignation mündete. Aus seiner Erfahrung plädierte er für einen angstfreien Blick auf das Scheitern und eine neue Kultur der Normalisierung.

Grit Körmer, Regionalmanagerin der LAG Märkische Seen, erzählte die Geschichte eines Geotourismusprojekts, das sich zunehmend in einen Papiertiger verwandelte, der letztendlich „eingeschläfert“ werden musste. Als für den Projekterfolg entscheidende Stellschraube machte sie die Vernetzung zentraler Personen aus, die für Ideen brennen und bereit sind, diese voranzutreiben. Auch eine offene Gesprächskultur zu schaffen, in der Befindlichkeiten keine Rolle spielen, hielt sie für zentral. Darüber hinaus machte sie deutlich: Im Umgang mit dem Scheitern braucht es Nachsicht: sowohl mit anderen, als auch mit sich selbst.

Barbara Schubert erzählte die aufreibende Geschichte der ostewert AG, mit der sie und ihre Mitstreiter:innen sich auf den Weg gemacht hatten, Bananenbäumen und afrikanische Welse im Cuxland zu züchten. Insbesondere eine konstruktive Streitkultur, gegenseitiges Wohlwollen und Vertrauen schaffen aus ihrer Sicht für Organisationen die Grundlage, um Fehlern zu verarbeiten und neue Schritte zu gehen.

Uleshka Asher vom Netzwerk Zukunftsorte wollte im Spreewald ein gemeinschaftliches Wohnprojekt starten, und damit einem leerstehenden Azubiheim neues Leben einhauchen. Das Projekt, in dem sie von Beginn an treibende Kraft war und das letztlich nicht realisiert wurde, bot ihr einige wertvolle Erkenntnisse: Das Hören auf das eigene Bauchgefühl, das Innehalten, Ziele reflektieren und Grenzen zu ziehen – insbesondere auch in turbulenten Momenten – gab sie den Teilnehmenden mit auf den Weg.

Mit ihren Impulsen und den offenen und bestärkenden Worten der Paneldiskussion öffneten sie allen Teilnehmer:innen den Raum, um sich im Rahmen des World Cafés persönlich dem Thema Scheitern zu widmen. An 4 Stationen wurden verschiedene Dimensionen diskutiert. Neben den Besonderheiten des Scheiterns auf dem Land, dem Status Quo und Utopien der Fehlerkultur, der persönlichen Verarbeitung von Fehlern ging es auch um die gemeinsame Weiterentwicklung von Ideen und Projekten.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Thema und dem Format? Das wissen wir aktuell selbst noch nicht. Die Veranstaltung ist eher der Anfang als das Ende, um über das Thema Scheitern im Kontext ländlicher Entwicklung im Gespräch zu bleiben. Solltet ihr Ideen oder Anregungen zur Weiterentwicklung haben, freuen wir uns, mit euch ins Gespräch zu kommen. In diesem Sinne: Stay tuned und freut euch auf alles, was noch kommt.

Der Autor

Louis Schlag

Referent Entwicklung Ländlicher Räume

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