#47 – Walk & History in Abtsteinach: Wie erhält man mit Hausnamen Dorfgeschichte?

von Louis Schlag

LandAussichten on Tour: Für unsere neue Podcastfolge sind wir rausgefahren: Direkt ins ländliche Südhessen, ans Tor zum Überwald: Nach Abtsteinach. Uns hat die Frage umgetrieben, wie Dorfgeschichte lebendig bleibt, wenn Dörfer sich wandeln und verändern? In der neuen Folge „Walk & History in Abtsteinach: Wie erhält man mit Hausnamen Dorfgeschichte?“, begeben wir uns auf Spurensuche eines Projekts, das uns auf eine Zeitreise ins 12. Jahrhundert mitnimmt.

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Damals befand sich die Namensgebung der Menschen und Orte gerade im Umbruch: Zu Rufnamen (heute: Vornamen) gesellten sich Beinamen (unsere heutigen Familiennamen). Da die Menschen damals noch nicht Namen wie Matteo-Lewin oder Mathilda-Lia trugen, war die Auswahl auf wenige, oft christliche Namen beschränkt. Das Problem? In den Dörfern doppelten sich so viele Namen. Straßennamen und Hausnummern gab es aber auch noch nicht, was die klare Zuordnung einzelner Menschen oft schwierig machte. So behalfen sich die Menschen mit Dorf- bzw. Hausnamen, um Häuser und ihre Bewohner:innen klar zu identifizieren. Einzelne Häuser bekamen so eigene Namen, die sich auf ihre ehemaligen Besitzer:innen, deren Namen, besonderen Eigenschaften, Spitznamen, Beruf oder auf die Lage des Gebäudes bezogen. „Ins Amend“ konnte so beispielsweise das Haus am Ende einer Straße beschreiben.

Und damit in die Gegenwart: Durch mobilere ländliche Gesellschaften, die öfter umziehen, gerät heutzutage mit den Namen vielerorts auch ein Stück Dorfgeschichte in Vergessenheit. Daher machen sich Gemeinden wie Abtsteinach daran, das Wissen zusammenzutragen, Schilder aufzuhängen und Führungen anzubieten, um dieses alte Wissen zu bewahren und neu zu beleben.

Zu Gast im Podcast ist Gabi Gerner. Sie ist Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Abtsteinach und kümmert sich seit 2012 dort um Tourismus, Beschaffung und Veranstaltungsorganisation. Geboren wurde sie 1963 im Ortsteil Unter-Abtsteinach – in einem Haus mit dem Hausnamen „Ähls“. Ihre Verbindung zur Dorfgeschichte und zu den Hausnamen ist daher nicht nur beruflich, sondern auch persönlich geprägt.

Es ist viel altes Wissen vorhanden, das man einfach nur abfragen muss. Und die Diskussion über die Hausnamen in Familien und zwischen Nachbarn bringt viel mehr davon hervor.

Gabriele Gerner, Projekt Alte Hausnamen, Gemeinde Abtsteinach

Im Gespräch geht es unter anderem darum, was Dorf- und Hausnamen über frühere Bewohner:innen verraten – etwa, wenn der Hausname weiblich war oder bestimmte Adjektive enthält. Wir sprechen darüber, welche Herausforderungen es bei der Recherche und Sicherung dieses Wissens gibt, wie viel (Nicht-)Wissen über alte Namen und Dorfgeschichte noch vorhanden ist und welche Dynamiken das Projekt im Dorf angestoßen hat. Außerdem geht es darum, welchen Mehrwert das Projekt für den Tourismus bietet. Denn die sichtbaren Hausnamenschilder regen heute Austausch, Begegnung und Dorfentwicklungsprozesse in Abtsteinach an – etwa, wenn man sich auf den Weg „ins Honspäidasch“ macht, um gemeinsam ein Glas Wein zu trinken.

Weiterführende Links:
– Eine Übersichtskarte der Häuser mit Schildern der alten Hausnamen in Abtsteinach
– Hintergrund zur Geschichte von Familien- und Hausnamen in Deutschland: Fachartikel: Die Hausnamen (Dorfnamen) von Allendorf/Lahn von Thomas Euler

Der Autor

Louis Schlag

Referent Entwicklung Ländlicher Räume

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