Damals befand sich die Namensgebung der Menschen und Orte gerade im Umbruch: Zu Rufnamen (heute: Vornamen) gesellten sich Beinamen (unsere heutigen Familiennamen). Da die Menschen damals noch nicht Namen wie Matteo-Lewin oder Mathilda-Lia trugen, war die Auswahl auf wenige, oft christliche Namen beschränkt. Das Problem? In den Dörfern doppelten sich so viele Namen. Straßennamen und Hausnummern gab es aber auch noch nicht, was die klare Zuordnung einzelner Menschen oft schwierig machte. So behalfen sich die Menschen mit Dorf- bzw. Hausnamen, um Häuser und ihre Bewohner:innen klar zu identifizieren. Einzelne Häuser bekamen so eigene Namen, die sich auf ihre ehemaligen Besitzer:innen, deren Namen, besonderen Eigenschaften, Spitznamen, Beruf oder auf die Lage des Gebäudes bezogen. „Ins Amend“ konnte so beispielsweise das Haus am Ende einer Straße beschreiben.
Und damit in die Gegenwart: Durch mobilere ländliche Gesellschaften, die öfter umziehen, gerät heutzutage mit den Namen vielerorts auch ein Stück Dorfgeschichte in Vergessenheit. Daher machen sich Gemeinden wie Abtsteinach daran, das Wissen zusammenzutragen, Schilder aufzuhängen und Führungen anzubieten, um dieses alte Wissen zu bewahren und neu zu beleben.
Zu Gast im Podcast ist Gabi Gerner. Sie ist Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Abtsteinach und kümmert sich seit 2012 dort um Tourismus, Beschaffung und Veranstaltungsorganisation. Geboren wurde sie 1963 im Ortsteil Unter-Abtsteinach – in einem Haus mit dem Hausnamen „Ähls“. Ihre Verbindung zur Dorfgeschichte und zu den Hausnamen ist daher nicht nur beruflich, sondern auch persönlich geprägt.