Internationale Einblicke, neue Perspektiven – Der 50. und 51. TOP Kurs unterwegs

von Sarah Neyses

Was heißt es konkret, Landwirtschaft international zu denken? Im TOP Kurs wird das nicht diskutiert, sondern erlebt: im direkten Austausch mit internationalen Netzwerken, in Gesprächen mit politischen Akteuren und vor allem draußen – entlang realer Wertschöpfungsketten. Ob in Europa, Tunesien oder Tansania: Die Teilnehmenden sehen, wie unterschiedlich Landwirtschaft funktioniert und wo sich die entscheidenden Hebel für wirtschaftlichen Erfolg verbergen. Sie kehren nicht mit Theorien zurück, sondern mit einem geschärften Blick, neuen Ideen und klaren Ansatzpunkten für ihr eigenes unternehmerisches Handeln.

Der TOP Kurs in Tansania

Internationalität ist im TOP Kurs der AHA kein Zusatz, sondern fester Bestandteil des gemeinsamen Lernwegs. Wer heute Verantwortung in Landwirtschaft, Verbänden und ländlichen Räumen übernimmt, braucht neben Fachwissen auch ein Verständnis dafür, wie eng Märkte, Politik, Wertschöpfung und gesellschaftliche Entwicklungen über Ländergrenzen hinweg miteinander verbunden sind. Genau diesen Blick über den Tellerrand können die TOP Kurs-Teilnehmenden in Berlin, auf europäischer Ebene sowie bei Reisen nach Tunesien und Tansania gewinnen.
 

Internationaler Austauschabend

Ein erster Zugang zur internationalen Agrarwelt entstand für die Teilnehmenden des TOP Kurs 2026 bereits während der Grünen Woche in Berlin. Bei einem internationalen Austauschabend kamen die Teilnehmenden mit Gästen aus der internationalen Verbändewelt und Agrarpraxis ins Gespräch, darunter auch ehemalige Teilnehmende des Young Leaders Incubation Programme (YLIP) – einem stark am TOP Kurs orientierten Programm für zukünftige Führungskräfte in der afrikanischen Landwirtschaft. Dabei wurde schnell deutlich: Fragen des Generationswechsels, der Klimaanpassung, des Zugangs zu Märkten und der Rolle starker Verbände stellen sich in vielen Ländern ähnlich – auch wenn die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich sind.

Im weiteren Verlauf des Kurses weitete sich der Blick auf die europäische und internationale Ebene. Gespräche in Brüssel, Paris und Rom machten erfahrbar, dass landwirtschaftliche Praxis längst nicht mehr nur national gedacht werden kann. Die Teilnehmenden setzten sich mit europäischer Agrarpolitik auseinander, kamen mit Verbänden und Institutionen ins Gespräch und erhielten Einblicke in internationale Zusammenarbeit rund um Landwirtschaft und Ernährung.

Ein besonders prägender Teil des internationalen Lernwegs war die Reise nach Tunesien. Dort wurde Landwirtschaft in ihrer ganzen Breite erlebbar – von Olivenölproduzenten über eine Imkerei und Molkerei bis hin zu Saatgutvermehrung und Tierhaltung. Dabei ging es nicht nur um andere Produktionsrichtungen, sondern auch um die Frage, wie Wertschöpfung organisiert wird und an welchen Stellen aus landwirtschaftlichen Produkten tragfähige Geschäftsmodelle entstehen. Besonders in Erinnerung blieb der Besuch eines von Frauen geführten Unternehmens, das Honig aus mehreren Teilen Tunesiens sammelt und professionell vermarktet. Solche Begegnungen eröffneten neue Perspektiven auf Unternehmertum, Vermarktung und die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft. Neben den fachlichen Eindrücken hinterließ auch die kulturelle Erfahrung der Tunesien-Reise einen bleibenden Eindruck. Die Gruppe war während des Ramadans unterwegs und erhielt dadurch Einblicke in den gesellschaftlichen Alltag vor Ort. Das gemeinsame Fastenbrechen am Abend zeigte eindrücklich, wie eng Landwirtschaft, Kultur und gesellschaftliches Leben miteinander verwoben sind.

Einige Monate nach der TOP Kurs-Seminarzeit folgte eine weitere vertiefende Studienreise mit der AHA. Die Teilnehmenden des TOP Kurs 2024 reisten mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im November/ Dezember 2025 nach Tansania. Dort beschäftigten sich die Teilnehmenden besonders mit dem Generationswechsel in der Landwirtschaft, den Perspektiven junger Menschen im ländlichen Raum sowie mit Fragen nachhaltiger Produktion und des Marktzugangs. Deutlich wurde, dass es nicht an jungen Menschen fehlt, sondern oft an unternehmerischen Entwicklungsmöglichkeiten und verlässlichen Hofübergabestrukturen. Wo junge Menschen Zugang zu Ausbildung und praktischem Wissen haben, bringen sie Innovation, mehr Unternehmergeist und einen stärkeren Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette ein. Zugleich zeigte die Reise, wie wichtig resiliente Produktionssysteme sind. Mischkulturen, Agroforstsysteme, angepasste Bewässerung und lokales Wissen helfen dabei, mit Trockenheit, Bodenerosion und klimatischen Schwankungen umzugehen. Ebenso wurde sichtbar, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht allein auf dem Feld entsteht: Funktionierende Wertschöpfungsketten, starke Organisationen und verlässlicher Marktzugang sind entscheidend – ebenso wie Beratung, Infrastruktur und Zusammenarbeit.

So entsteht für die TOP Kurs-Teilnehmenden über die verschiedenen Stationen hinweg ein internationaler Lernweg, der sich Schritt für Schritt aufbaut hat: vom ersten Austausch in Berlin über die europäische Perspektive bis hin zu den vertieften Einblicken in Tunesien und Tansania. Die Teilnehmenden kehren nicht mit einfachen Antworten zurück, wohl aber mit neuen Fragen, frischen Impulsen und einem geschärften Blick auf die eigene berufliche Praxis. Die internationalen Reisen des TOP Kurs zeigen damit einmal mehr, wie wertvoll internationale Perspektiven für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung sind.

Die Autorin

Sarah Neyses

Projektkoordinatorin agrarcampus

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