Im weiteren Verlauf des Kurses weitete sich der Blick auf die europäische und internationale Ebene. Gespräche in Brüssel, Paris und Rom machten erfahrbar, dass landwirtschaftliche Praxis längst nicht mehr nur national gedacht werden kann. Die Teilnehmenden setzten sich mit europäischer Agrarpolitik auseinander, kamen mit Verbänden und Institutionen ins Gespräch und erhielten Einblicke in internationale Zusammenarbeit rund um Landwirtschaft und Ernährung.
Ein besonders prägender Teil des internationalen Lernwegs war die Reise nach Tunesien. Dort wurde Landwirtschaft in ihrer ganzen Breite erlebbar – von Olivenölproduzenten über eine Imkerei und Molkerei bis hin zu Saatgutvermehrung und Tierhaltung. Dabei ging es nicht nur um andere Produktionsrichtungen, sondern auch um die Frage, wie Wertschöpfung organisiert wird und an welchen Stellen aus landwirtschaftlichen Produkten tragfähige Geschäftsmodelle entstehen. Besonders in Erinnerung blieb der Besuch eines von Frauen geführten Unternehmens, das Honig aus mehreren Teilen Tunesiens sammelt und professionell vermarktet. Solche Begegnungen eröffneten neue Perspektiven auf Unternehmertum, Vermarktung und die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft. Neben den fachlichen Eindrücken hinterließ auch die kulturelle Erfahrung der Tunesien-Reise einen bleibenden Eindruck. Die Gruppe war während des Ramadans unterwegs und erhielt dadurch Einblicke in den gesellschaftlichen Alltag vor Ort. Das gemeinsame Fastenbrechen am Abend zeigte eindrücklich, wie eng Landwirtschaft, Kultur und gesellschaftliches Leben miteinander verwoben sind.
Einige Monate nach der TOP Kurs-Seminarzeit folgte eine weitere vertiefende Studienreise mit der AHA. Die Teilnehmenden des TOP Kurs 2024 reisten mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im November/ Dezember 2025 nach Tansania. Dort beschäftigten sich die Teilnehmenden besonders mit dem Generationswechsel in der Landwirtschaft, den Perspektiven junger Menschen im ländlichen Raum sowie mit Fragen nachhaltiger Produktion und des Marktzugangs. Deutlich wurde, dass es nicht an jungen Menschen fehlt, sondern oft an unternehmerischen Entwicklungsmöglichkeiten und verlässlichen Hofübergabestrukturen. Wo junge Menschen Zugang zu Ausbildung und praktischem Wissen haben, bringen sie Innovation, mehr Unternehmergeist und einen stärkeren Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette ein. Zugleich zeigte die Reise, wie wichtig resiliente Produktionssysteme sind. Mischkulturen, Agroforstsysteme, angepasste Bewässerung und lokales Wissen helfen dabei, mit Trockenheit, Bodenerosion und klimatischen Schwankungen umzugehen. Ebenso wurde sichtbar, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht allein auf dem Feld entsteht: Funktionierende Wertschöpfungsketten, starke Organisationen und verlässlicher Marktzugang sind entscheidend – ebenso wie Beratung, Infrastruktur und Zusammenarbeit.