Wie kann der Job des Bürgermeisters wieder attraktiver werden?

von Mareike Meyn

Auf dem Land fehlt es Vielerorts an Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters. Dies hat vielfältige Gründe: Im Alltag eines Bürgermeisters gilt es den Ansprüchen von Bürgern, Wirtschaft, Mitarbeitenden wie auch eigenen Ambitionen gerecht zu werden. Familie und Privatleben kommen oft zu kurz und auch Bürgermeister sind zunehmend im Kreuzfeuer von Hass und Gewalt. Grund genug also, von dem Amt die Finger zu lassen? Wir fragen: Kann das Konzept von New Work helfen, das Amt wieder attraktiver zu machen? #dugestaltest
Falk Hedemann, Journalist; Daniela Kösters, Samtgemeindebürgermeisterin von Emlichheim, Niedersachsen und Philipp Wesemann, ehemaliger jüngster Bürgermeister im Land Brandenburg
Falk Hedemann, Journalist; Daniela Kösters, Samtgemeindebürgermeisterin von Emlichheim, Niedersachsen und Philipp Wesemann, ehemaliger jüngster Bürgermeister im Land Brandenburg

Digitalisierung verändert alles – nicht nur wie wir kommunizieren, sondern auch die Art und Weise wie wir arbeiten und zusammenarbeiten wollen und auch können. Oftmals zusammengefasst als „New Work“ – neues arbeiten. Aber was meint das eigentlich konkret? Ist das nur für „Städter“ oder Startups, oder können wir das Konzept auch auf die Herausforderungen im Amt eines Bürgermeisters und dessen Mitarbeiter in der Verwaltung anwenden?

Wir wollten es genauer wissen und haben die Chancen, die hinter den technischen und arbeitskulturellen Potenzialen unserer Zeit stecken, in unserm „Zukunftsradar Kommune“ beleuchtet. Mit diesem Format möchten wir von AHA Entwicklung Ländliche Räume Impulse geben, zum Nachdenken anregen und auch den Raum zum Querdenken ermöglichen. Natürlich immer zusammen mit den Menschen, die der Wandel betrifft. Vom politikmüden Bürger bis hin zur engagierten Aktivistin, vom überarbeiteten, ehrenamtlichen Bürgermeister bis hin zur leidenschaftlich-engagierten hauptamtlichen Bürgermeisterin – sie alle haben Vorstellungen davon, wie ihre Zukunft in ihren Kommunen und Dörfern in den ländlichen Räumen aussehen soll. Mit Hilfe des Ansatzes Design Thinking haben wir gemeinsam Zukunftsideen entwickelt und diese dann auf dem Zukunftsforum 2020 vorgestellt.

Am Anfang stand die Herausforderung. Wir fragten: Warum gibt es vielerorts nicht genügend Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters? Ist das Rathaus ein unattraktiver Arbeitsort?

Bürgermeister stehen unter zunehmenden Komplexitätsdruck

Folgende Zitate sind Auszüge aus dem Zukunftsforum 2020 und zeigen auf, wie sich die heutige Situation oftmals gestaltet:

Als Bürgermeisterin muss ich Verwaltungsexpertin Moderatorin, Vermittlerin, Gratulantin, Ideengeberin, Managerin, Führungskraft, Entscheiderin und Kollegin gleichzeitig sein und natürlich alle Fördertöpfe kennen.

Hinzu kommen Parteipolitik, Bürokratie und auch neue Kommunikationsanforderungen.

Ich habe das Gefühl, der Bürgermeisterjob bin ich. Mit Haut und Haaren. 24 Stunden /7 Tage die Woche.

Nicht nur das Familienleben und Freundschaften werden so strapaziert. Auch die politische Kultur verändert sich und Amtsinhaber sind vielerorts Zielscheibe von Hass, werden beleidigt oder sogar bedroht.

Bei so viel Stresspotenzial ist klar: Oftmals bleiben die Visionen, mit denen Bürgermeister angetreten sind, auf der Strecke. Und manchmal gar die gesamte Motivation weiter zu machen. Die Nachwuchsgewinnung ist schwer.

Ist New Work die Lösung?

New Work ist das Hype-Wort unserer Zeit. Wie passt dies nun mit dem Job des Bürgermeisters oder gar dem gesamten Rathaus-Betrieb zusammen?

Bereits in den 1980ern wurde das „Zentrum für Neue Arbeit“ in Michigan, USA gegründet. Hier engagierte sich u.a. Frithjof Bergmann, der heute als Erfinder von New Work gilt. Ein wichtiger Grund hierfür war die zunehmende Automatisierung der Arbeitswelt und damit eine Massenarbeitslosigkeit in der Autoindustriebranche. Dies führte zu kritischen Fragen rund um das Thema Arbeit: Wo arbeiten wir? Warum arbeiten wir, wie wir es zurzeit tun? aber auch zu neuen Zukunftsideen:

Unterstützt durch die technischen Möglichkeiten gab es nicht mehr die Notwendigkeit in der Fabrikhalle 5 Tage die Woche à 40 Stunden zu arbeiten. Was macht der Mensch stattdessen?

Neue Arbeit zeichnet sich durch drei Hauptprinzipien aus:

  • Sinnhaftigkeit
  • Selbstbestimmung
  • Flexibilität von Ort, Zeit und Zusammenarbeit

New Work fragt: Welche Arbeit wollen wir wirklich tun? und beschreibt auch eine neue Haltung, bei der gilt: Arbeit dient als Energieimpuls und positiver Taktgeber des Lebens. Eigene Talente und Fähigkeiten können so stärker genutzt werden.

Eine weiterführende Beschreibung von New Work gibt es von Falk Hedemann und vom Institut für neue Arbeit.

Das (ehrenamtliche), politische Engagement wird auch durch die New Work Prinzipien bereichert!

Schließlich betrifft der Kulturwandel zu New Work nicht nur Unternehmen, sondern hat auch Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.

So zeigte die AHA im Rahmen des Zukunftsforums die Ergebnisse des Zukunftsradars auf.  Die vielen Lösungsimpulse diskutierten wir mit der hauptamtlichen Bürgermeisterin Daniela Kösters, den New Work Experten Falk Hedemann, dem ehemaligen Bürgermeister Philipp Wesemann und allen Anwesenden.

Folgende Impulse wurden diskutiert:

Kultur und eigene Haltung

Starre Zuständigkeiten, lange Entscheidungswege, träge Kommunikation wird abgeschafft, stattdessen gibt es: Flache Hierarchien, Teamentscheidungen, schnelle Kommunikationswege und auch regelmäßiges Feedback. Dazu gehört auch ein aufgeschlossener Umgang mit Fehlern: Das Fehler gemacht werden, wird akzeptiert und sogar als essentiell für den Lernerfolg des Einzelnen und der gesamten Arbeitsumgebung empfunden.

Zudem gibt es eine neu gelebte Bürgernähe und Menschen gehören zur Gemeinschaft, auch wenn sie außerhalb des Dorfes leben.

Arbeitszeit

Das Bürgermeisteramt beinhaltet keine 80 Stundenwoche mehr, sondern zeichnet sich durch eine flexible Arbeitszeitgestaltung aus. Der Bürgermeister setzt klare Grenzen und hat eine ausgewogene Work Life Balance.

Arbeitsplatz

Das Rathaus zeichnet sich aus durch offene Räume und mobile Denkkapseln. Dabei wird räumlich und auch von den Zuständigkeiten her die „Ämterdenke“ aufgebrochen.

Zum flexiblen Arbeitsplatz gehört auch, dass auch außerhalb des Rathauses gearbeitet werden kann – von Mitarbeitenden wie auch vom Bürgermeister selbst.

Kooperationen

Die Arbeit wird aufgeteilt in: Repräsentanten,  Feel-Good-Manager und Digitalmanager, die unterschiedliche Bereiche in der Gemeinde übernehmen. Zudem gibt es Führungstandems und die Bürgermeister rotieren alle zwei Jahre in der Region. Auch die Bürgerbeteiligung wird aktiver gelebt: Bei der „kreativen Pausenzeit“ – einem Spaziergang durch das Dorf –  werden gemeinsam neue Ideen entwickelt.

Wissensmanagement

Das Rathaus ist ein Multiwissens- und Vertrauensraum und zusammen in der Gemeinschaft wird die Komplexität bewältigt. Dafür gibt es persönliche Mentoren und Themenpartner für den Bürgermeister und das Wissen kann auch von außerhalb in die Gemeinde getragen werden. Im Sinne von open access ist Wissen in der Cloud für jeden jederzeit verfügbar.

New Work und Bürgermeisteramt passt zusammen!

Heraus kam, was der Hashtag #dugestaltest prägnant ausdrückt: Wir können unsere Lebens- und Arbeitswelt gestalten und damit auch den Job des Bürgermeisters wieder attraktiver und zukunftsfester machen!

Für konkrete erste Schritte  gibt es unsere Bürgermeister+ Seminare.

#dugestaltest!

Die Internationale Grüne Woche war  Startpunkt einer Kampagne, mit der wir die Wertschätzung für das tagtägliche Engagement unserer Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ausdrücken möchten:

Unter den Hashtag #dugestaltest wollen wir zusammen Mut für mehr Engagement machen!

Möchtest du auch dabei sein? – Nutze #dugestaltest und poste in den sozialen Medien wie Instagram oder Facebook, warum du die Arbeit deines Bürgermeisters schätzt!

Die Autorin

Mareike Meyn

Referentin

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