CoffeeXchange: Wie junge Landwirtinnen und Landwirte den Kaffeehandel fairer denken

Autor: Johannes Leberer, Schorlemer Stiftung

Wie kann der globale Kaffeehandel gerechter werden – und was können junge Menschen aus der Landwirtschaft dazu beitragen? Diesen Fragen sind zehn Nachwuchskräfte aus Deutschland und Uganda knapp ein Jahr lang nachgegangen. Im März 2026 endete mit einer öffentlichen Abschlussveranstaltung das Programm CoffeeXchange – ein deutsch-ugandischer Jugendaustausch, den die Schorlemer Stiftung des Deutschen Bauernverbandes gemeinsam mit der Young Farmers’ Federation of Uganda (UNYFA) durchgeführt hat.

©UNYFA

Fünf deutsch-ugandische Tandem für nachhaltige Entwicklung

CoffeeXchange lief von Mai 2025 bis März 2026 im Rahmen der Programmlinie „Teams up! Jugendbegegnungen für nachhaltige Entwicklung“ des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerks, gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Im Mittelpunkt stand das UN-Nachhaltigkeitsziel 8: menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum. Auf ugandischer Seite nahmen Kaffeebäuerinnen und -bauern sowie Managerinnen und Manager von Kooperativen teil, auf deutscher Seite überwiegend Studierende aus dem Agrarbereich. Gemeinsam bildeten sie fünf deutsch-ugandische Tandems.

Praxis auf ugandischen Kaffeebetrieben

Der persönlichen Begegnung gingen mehrere digitale Workshops voraus: Dort lernten sich die Teilnehmenden beider Länder kennen, bildeten ihre Tandems und legten fest, in welche Themen sie tiefer einsteigen und wie die Zusammenarbeit in Gruppe und Tandem gelingen sollte.

Im August 2025 reiste die deutsche Gruppe nach Uganda. Nach einem dreitägigen Welcome-Workshop zu Teambuilding und interkultureller Sensibilisierung folgte das Herzstück der ersten Begegnungsreise: ein fünftägiges Praktikum auf den Betrieben der ugandischen Tandempartner – vom kleinbäuerlichen Familienbetrieb bis zu größeren Erzeugerstrukturen. „Es war unglaublich interessant zu sehen, wie unsere Kollegen ihre Betriebe führen und mit welcher Leidenschaft dort Landwirtschaft betrieben wird“, resümierte ein deutscher Teilnehmer.

Im Anschluss machte eine mehrtägige Exkursion zu Unternehmen und Kooperativen sowie Institutionen weitere Glieder der ugandischen Wertschöpfungskette erlebbar. Die Gruppe besuchte unter anderem das National Coffee Research Institute (NaCORI), das an Anbau und Sorten forscht, den Dachverband NUCAFE mit Blick auf Verarbeitung und Export sowie die Kibinge Coffee Farmers’ Cooperative Society, wo sich die Wertschöpfung von der Baumschule über Anbau und Verarbeitung bis zu Röstung und Cupping nachvollziehen ließ. Zum Abschluss reflektierten und evaluierten die Teilnehmenden ihren Aufenthalt und tauschten sich in den Tandems über erste Ideen für ihre gemeinsamen Geschäftskonzepte aus.

Die andere Seite der Kette: Deutschland als Kaffeestandort

Zwischen den Begegnungen vertieften die Tandems ihr Wissen in einer fünfteiligen Webinar-Reihe mit internationalen Fachleuten – zu Direct-Trade-Modellen, Zertifizierungssystemen, EU-Regulierung, Finanzierung und klimaangepasstem Kaffeeanbau. Die Aufzeichnungen sind auf dem YouTube-Kanal der Schorlemer Stiftung abrufbar. Zur zweiten Begegnung im Dezember 2025 lernten dann die ugandischen Teilnehmenden die Konsumseite kennen: Exkursionen zu Fairtrade Deutschland, zur GEPA, zur Rösterei Mulembe Kaffee und zum Johann-Jacobs-Haus in Bremen sowie Kurzzeitpraktika bei Specialty-Coffee-Röstereien standen auf dem Programm. Ein abschließender Vernetzungs-Workshop brachte die Gruppe mit der ugandischen Botschaft und Akteuren des deutschen Kaffeesektors zusammen. Dabei stand immer wieder eine unbequeme Frage im Raum: Warum bleibt vom Endverkaufspreis eines Kaffees oft nur ein Bruchteil bei denen, die ihn anbauen? Über Handelsstrukturen, Zertifizierungssysteme und das historisch gewachsene Machtgefälle im Kaffeehandel diskutierten die Teilnehmenden offen und suchten nach Wegen, die den Produzentinnen und Produzenten mehr Teilhabe ermöglichen.

Konkrete Ergebnisse – und erste Geschäftsbeziehungen

In der Nachbereitungsphase erarbeitete jedes Tandem ein eigenes Geschäftskonzept, das konkret auf die Entwicklungsziele des jeweiligen ugandischen Betriebs zugeschnitten war: Von der Frage, was der Betrieb für den nächsten Schritt braucht, bis zu greifbaren Ansätzen für Vermarktung und Zusammenarbeit. Bei der Abschlussveranstaltung am 26. März 2026 stellten die Tandems ihre Konzepte vor. Dass das Programm über Konzepte hinaus wirkt, zeigt das Beispiel des ugandischen Teilnehmers Joel Muwonge: Über CoffeeXchange kam er mit Vertretern deutscher Röstereien in Kontakt, die seine Kaffeefarm inzwischen bereits besucht haben. Genau das war das Ziel des Projekts: nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern echte Verbindungen zwischen Produzenten und Abnehmern entstehen zu lassen.

Ausblick: CoffeeVoices

Der Ansatz geht nun weiter: Von August 2026 bis Juli 2027 führt die Schorlemer Stiftung das Folgeprojekt CoffeeVoices durch. Dieses Mal gemeinsam mit der tansanischen Organisation UCDP, einem langjährig verlässlichen Partner der Stiftung aus dem internationalen Praktikantenaustausch, und mit dem Schwerpunkt nachhaltiger Konsum. In deutsch-tansanischen Tandems entstehen kurze Dokumentarfilme über das Leben der Kaffeeproduzentinnen und -produzenten. In Deutschland präsentieren die Teilnehmenden diese „Coffee Stories“ an Universitäten, auf Messen und bei Veranstaltungen – begleitet von Verkostungen eines eigenen „Projektkaffees“. So sollen abstrakte globale Lieferketten für Verbraucherinnen und Verbraucher greifbar werden.

Interessierte aus dem Kaffeesektor – ob Rösterei, Import, Handel oder Café –, die das Projekt begleiten oder mehr erfahren möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei der Schorlemer Stiftung, Joannes Leberer, zu melden. Alle weiteren Informationen zur Stiftung und ihren Projekten sind auf der Website der Schorlemer Stiftung nachzulesen.

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