Die andere Seite der Kette: Deutschland als Kaffeestandort
Zwischen den Begegnungen vertieften die Tandems ihr Wissen in einer fünfteiligen Webinar-Reihe mit internationalen Fachleuten – zu Direct-Trade-Modellen, Zertifizierungssystemen, EU-Regulierung, Finanzierung und klimaangepasstem Kaffeeanbau. Die Aufzeichnungen sind auf dem YouTube-Kanal der Schorlemer Stiftung abrufbar. Zur zweiten Begegnung im Dezember 2025 lernten dann die ugandischen Teilnehmenden die Konsumseite kennen: Exkursionen zu Fairtrade Deutschland, zur GEPA, zur Rösterei Mulembe Kaffee und zum Johann-Jacobs-Haus in Bremen sowie Kurzzeitpraktika bei Specialty-Coffee-Röstereien standen auf dem Programm. Ein abschließender Vernetzungs-Workshop brachte die Gruppe mit der ugandischen Botschaft und Akteuren des deutschen Kaffeesektors zusammen. Dabei stand immer wieder eine unbequeme Frage im Raum: Warum bleibt vom Endverkaufspreis eines Kaffees oft nur ein Bruchteil bei denen, die ihn anbauen? Über Handelsstrukturen, Zertifizierungssysteme und das historisch gewachsene Machtgefälle im Kaffeehandel diskutierten die Teilnehmenden offen und suchten nach Wegen, die den Produzentinnen und Produzenten mehr Teilhabe ermöglichen.
Konkrete Ergebnisse – und erste Geschäftsbeziehungen
In der Nachbereitungsphase erarbeitete jedes Tandem ein eigenes Geschäftskonzept, das konkret auf die Entwicklungsziele des jeweiligen ugandischen Betriebs zugeschnitten war: Von der Frage, was der Betrieb für den nächsten Schritt braucht, bis zu greifbaren Ansätzen für Vermarktung und Zusammenarbeit. Bei der Abschlussveranstaltung am 26. März 2026 stellten die Tandems ihre Konzepte vor. Dass das Programm über Konzepte hinaus wirkt, zeigt das Beispiel des ugandischen Teilnehmers Joel Muwonge: Über CoffeeXchange kam er mit Vertretern deutscher Röstereien in Kontakt, die seine Kaffeefarm inzwischen bereits besucht haben. Genau das war das Ziel des Projekts: nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern echte Verbindungen zwischen Produzenten und Abnehmern entstehen zu lassen.
Ausblick: CoffeeVoices
Der Ansatz geht nun weiter: Von August 2026 bis Juli 2027 führt die Schorlemer Stiftung das Folgeprojekt CoffeeVoices durch. Dieses Mal gemeinsam mit der tansanischen Organisation UCDP, einem langjährig verlässlichen Partner der Stiftung aus dem internationalen Praktikantenaustausch, und mit dem Schwerpunkt nachhaltiger Konsum. In deutsch-tansanischen Tandems entstehen kurze Dokumentarfilme über das Leben der Kaffeeproduzentinnen und -produzenten. In Deutschland präsentieren die Teilnehmenden diese „Coffee Stories“ an Universitäten, auf Messen und bei Veranstaltungen – begleitet von Verkostungen eines eigenen „Projektkaffees“. So sollen abstrakte globale Lieferketten für Verbraucherinnen und Verbraucher greifbar werden.
Interessierte aus dem Kaffeesektor – ob Rösterei, Import, Handel oder Café –, die das Projekt begleiten oder mehr erfahren möchten, sind herzlich eingeladen, sich bei der Schorlemer Stiftung, Joannes Leberer, zu melden. Alle weiteren Informationen zur Stiftung und ihren Projekten sind auf der Website der Schorlemer Stiftung nachzulesen.