Vom Seminarraum in den Vorstand: YLIP-Alumni prägen Afrikas Agrarverbände

Autorin: Sophie Guerrazzi

Interaktiv Marktmechanismen verstehen. Agrarprodukte und deren Produktion vergleichen und dabei auch über die deutsche Landwirtschaft sprechen. Oder eine SACAU-Vorständin live interviewen. So sah der Alltag der fünften YLIP-Kohorte im Kopanong Hotel in Johannesburg aus – und am Ende stand ein besonderer Meilenstein: 100 Alumni, die inzwischen das Programm durchlaufen haben und in ihren Verbänden und Betrieben etwas bewegen.

 

Zwei Mal sechs Tage lang verwandelte sich das Kopanong Hotel bei Johannesburg in eine Bühne für junge Führungspersönlichkeiten aus dem gesamten südlichen Afrika: Vom 9. bis 14. April fand dort das zweite Modul der fünften Kohorte des Young Leaders Incubator Programme (YLIP) statt – gemeinsam organisiert von SACAU und der Andreas Hermes Akademie. Mit ihrem Abschluss hat YLIP einen besonderen Meilenstein erreicht: Insgesamt 100 junge Menschen aus der Landwirtschaft und den Verbänden des südlichen Afrikas haben das Programm inzwischen durchlaufen.

Wer YLIP in Worte fassen will, merkt schnell: Es ist kein klassisches Fachseminar. Es ist Persönlichkeitsentwicklung, unternehmerisches Denken und agrarpolitisches Handwerk in einem – dynamisch, unerwartet, ganz ohne PowerPoint. In Johannesburg drehte sich das zweite Modul um Unternehmertum, Kommunikation und die Frage, wie aus vielen individuellen Talenten ein schlagkräftiges Kollektiv wird. Ein Highlight: der Besuch von Dr. Mathabo Tsepa, SACAU-Vorstandsmitglied und ehemalige High-Commissionerin Lesothos zu Kanada die sich von Refilwe aus Lesotho – der Präsidentin des Jahrgangs 2026 – live zu Stakeholder-Engagement und Diplomatie befragen ließ. In unterschiedlichen Planspielen schlüpften die Teilnehmenden in die Rollen konkurrierender Produzentinnen und Produzenten und erlebten hautnah, wie Qualität, Preis und Verhandlungsgeschick über Erfolg oder Misserfolg am Markt entscheiden. Ebenso wurde den Teilnehmerinnen vermittelt, wie sie die Lebenszyklen ihrer unterschiedlichen Produkte analysieren können, um daraus einen Handlungsstrategie abzuleiten.

YLIP ist kein klassisches „9 to 5 Seminar“ sondern auch an den Abenden arbeiten die Teilnehmenden zusammen und lernen etwas aus den unterschiedlichen Kulturen der anderen kennen. Auch das Trainerteam um Uli Ernst und Jan Pusdrowski brachten deutsche Geschichte, Landwirtschaft und selbst gekelterten Wein vom eigenen Betrieb mit, während die Teilnehmenden aus Simbabwe, Eswatini, Lesotho und Madagaskar mit Musik, Trachten und ebenfalls kulinarischen Kostproben ihre Heimat vorstellten.

 

Aus alldem entstand mehr als nur ein volles Programm: Der Jahrgang 2026 erarbeitete eine gemeinsame Vision – den Aufbau einer Jugendorganisation in jedem nationalen Bauernverband der Region, mit klarem Fahrplan von der Gründung erster Strukturen bis zu regelmäßigen Capacity-Building-Workshops binnen eines Jahres. Unter dem selbst gewählten Motto „United minds, innovative growth, shared success” verließen die Teilnehmenden Johannesburg nicht nur mit neuem Wissen, sondern mit einem gemeinsamen Auftrag.

Wie ernst es den Alumni damit ist, zeigt sich längst über den Seminarraum hinaus – in den Verbänden und Betrieben, in denen sie ihre neuen Kompetenzen einsetzen. Vier aktuelle Beispiele stehen stellvertretend dafür:

  • Thabita Kasongo (YLIP 2025) wurde in Malawi beim 2026 National Youth Summit mit dem „2026 Youth Impact Award” in der Kategorie Entrepreneurship & Economic Empowerment ausgezeichnet
  • Bandile Marime (YLIP 2026) wurde in den Vorstand der Eswatini National Agricultural Union (ESNAU) gewählt und übernimmt dort künftig den Posten des Director of Finance.
  • Mutinta Handoondo (YLIP 2026) vertritt Sambia beim African Regional Agroecological Youth Summit in Uganda
  • Sibusiso Mncina (YLIP 2025) wurde in Eswatini Runner-up beim Agroecology Entrepreneur Award der PELUM Association

Vier unterschiedliche Wege, ein gemeinsamer Nenner: YLIP-Alumni übernehmen Verantwortung – in der Vorstandsarbeit ihrer Verbände, als Unternehmer:innen, als Stimme ihres Landes auf internationaler Bühne und als anerkannte Vorbilder für andere junge Menschen im Agrarsektor. Mit nun 100 Absolventinnen und Absolventen wächst dieses Netzwerk kontinuierlich weiter – und mit ihm die Zahl der Menschen, die die Zukunft der Landwirtschaft im südlichen Afrika aktiv mitgestalten.

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