Menschen stärken. Organisationen entwickeln. Landwirtschaft gestalten.

von Jan Pusdrowski

Die Andreas Hermes Akademie stärkt seit 20 Jahren Menschen und Organisationen in der Landwirtschaft – in Deutschland und weltweit. Mit bewährten Trainings, organisationsentwicklerischer Begleitung und nachhaltigen Netzwerken gestalten Bäuerinnen und Bauern ihre Zukunft aktiv selbst. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Die Stärkung von Menschen in der Landwirtschaft steht seit jeher im Mittelpunkt in der Arbeit der Andreas Hermes Akademie (AHA). Ob als Unternehmer:innen, Betriebsleiter:innen, Führungskräfte oder engagierte Mitglieder ihrer Organisationen – unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten. Dies gilt gleichermaßen für Deutschland wie für unsere internationalen Partnerländer.

Dabei arbeiten wir selten allein mit Einzelpersonen. Unsere Erfahrung zeigt: Die größten Veränderungen entstehen dort, wo Menschen sich organisieren. Nationale und internationale Verbände, kleinere und größere Genossenschaften, offene Netzwerke, Föderationen oder andere Formen des gemeinsamen Handelns bieten sich hierbei an. Manche davon sind konservativ, andere Treiber von Innovation. Manche sind jung und agil, andere gesetzt in ihren Formen. Diese Organisationen sind nicht immer ‚in‘. Sie sind oft der wirksamste Hebel, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Landwirtinnen und Landwirten nachhaltig zu verbessern.

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Mit dem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderten und von der GIZ begleiteten Vorhaben Stärkung bäuerlicher Organisationen für eine nachhaltige Agrarwirtschaft“ (StäBO) verfolgen wir diesen Ansatz seit nunmehr zehn Jahren. Die Ergebnisse sprechen für sich: UNYFA, der ugandische Jugendverband, zum Beispiel, konnte durch eine organisationsentwicklerische Begleitung stark wachsen. Was mit einer kleinen Initiative begann, wuchs von von 0 auf 43.000 Mitglieder (Stand 2025) heran. KENAFF, der nationale kenianische Dachverband, war 2016 ein Schatten seiner selbst und kaum handlungsfähig. Heute zählt er zu den stärksten Bäuerlichen Organisationen in Afrika und stellt seit letzter Woche den Weltbauernpräsidenten. 140 junge Führungskräfte, die durch die intensive Kaderschmiede ‚Young Leaders Incubation Program – YLIP‘ gelaufen sind, prägen heute als Führungskräfte, Unternehmer:innen und Innovator:innen die Landwirtschaft und das Agribusiness im südlichen und westlichen Afrika.

Die Wirkung dieses Ansatzes lässt sich auch in Zahlen messen. In den vergangenen Jahren hat die AHA gemeinsam mit ihren Partnern 41 bäuerliche Organisationen und Verbände begleitet – von lokalen Erzeugerorganisationen bis hin zu nationalen Dachverbänden. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden oder wurden insgesamt 39 Dienstleistungen für Mitglieder entwickelt und gestärkt, die heute von mehr als 10.150 Landwirtinnen und Landwirten sowie 593 Mitgliedsorganisationen genutzt werden. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die ihre Betriebe erfolgreicher führen, neue Einkommensmöglichkeiten erschließen, Verantwortung in ihren Organisationen übernehmen und als Multiplikator:innen wiederum andere unterstützen. Genau darin zeigt sich die besondere Stärke unseres Ansatzes: Wirkung entsteht nicht nur bei Einzelnen, sondern verbreitet sich über starke Organisationen, lokale Führungskräfte und funktionierende Netzwerke weit über die eigentlichen Projektaktivitäten hinaus.

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Die internationalen Aktivitäten haben nicht erst 2015 begonnen. Bereits in 2006 entstand auf Nachfrage der GIZ die Idee, die in Deutschland etablierten b|u|s Unternehmertrainings für den afrikanischen Kontext weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wurde ein nachhaltiger Pool von 496 Trainerinnen und Trainern aufgebaut, die unter anderem die bewährten b|u|s-Unternehmertrainings in mittlerweile 22 Sprachen durchführen können. Allein im Rahmen dieser Trainings wurden bislang 8.240 Landwirtinnen und Landwirte erreicht, darunter 3.358 Frauen und 1.982 junge Menschen. Durch die Verankerung der Trainings als Dienstleistung bäuerlicher Organisationen sind diese weiter aktiv. Regelmäßige Fortbildungen, Mastertrainer-Programme und internationale Austausche sichern Qualität und gemeinsame Werte. Wenn wir auf 20 Jahre internationale Zusammenarbeit zurückblicken, wird deutlich: Entwicklung entsteht nicht durch das Verteilen von Ressourcen allein. Sie entsteht, wenn Menschen befähigt werden, ihre eigenen Organisationen zu gestalten, ihre Interessen zu vertreten und wirtschaftliche Chancen zu nutzen. Gerade in einer globalisierten Welt hängt die Zukunft der Landwirtschaft nicht nur von Entscheidungen in Europa ab. Ernährungssicherheit, Klimaschutz, stabile Märkte und resiliente Wertschöpfungsketten können nur gelingen, wenn auch Bäuerinnen und Bauern in Afrika, Indien und anderen Regionen starke Akteure ihrer eigenen Entwicklung sind.

Wer Landwirtschaft stärken will, muss Menschen stärken. Wer Ernährungssysteme zukunftsfähig machen will, muss Organisationen stärken. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, dass dieser Weg wirkt. Die Geschichten unserer Partnerorganisationen, Trainer:innen und Führungskräfte belegen, was möglich wird, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und voneinander lernen.

Darauf können wir gemeinsam stolz sein. Und darauf wollen wir auch in Zukunft aufbauen.

Der Autor

Jan Pusdrowski

stellv. Geschäftsleiter international

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