Menschen & Organisationen stärken weltweit

von Nicole Bolomey

Die Andreas Hermes Akademie stärkt seit 20 Jahren Menschen und Organisationen in der Landwirtschaft – in Deutschland und weltweit. Mit bewährten Trainings, organisationsentwicklerischer Begleitung und nachhaltigen Netzwerken gestalten Landwirtinnen und Landwirte ihre Zukunft aktiv selbst. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Die Stärkung der Menschen im Agrar- und Ernährungssektor stand schon immer im Mittelpunkt der Arbeit der Andreas Hermes Akademie (AHA). Ob als Unternehmer:in, Betriebsleiter:in, gewählte Vertreter:in oder engagierte Mitglieder ihrer Organisationen – unser Ziel ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Landwirtschaft aktiv mitzugestalten. Dies gilt gleichermaßen für Deutschland wie für unsere internationalen Partnerländer. 

Dabei arbeiten wir nicht nur mit Einzelpersonen zusammen. Unsere Erfahrung zeigt, dass die größten Veränderungen dort stattfinden, wo sich Menschen organisieren. Nationale und internationale Verbände, kleine und große Genossenschaften, offene Netzwerke, Dachverbände oder andere Formen des kollektiven Handelns sind hierfür ideal geeignet. Einige davon sind konservativ, andere sind Triebkräfte der Innovation. Manche sind jung und agil, andere in ihren Strukturen fest verankert. Diese Organisationen liegen nicht immer im Trend. Sie sind jedoch der wirksamste Hebel, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Landwirtinnen und Landwirte nachhaltig zu verbessern. 

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Mit dem Projekt „Stärkung von Bauernorganisationen für eine nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung“ (StäBO), das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert und von der GIZ unterstützt wird, verfolgen wir diesen Ansatz seit zehn Jahren. Die Ergebnisse sprechen für sich. UNYFA, der Verband junger Landwirtinnen und Landwirte in Uganda, konnte beispielsweise dank der Unterstützung bei der Organisationsentwicklung erheblich wachsen. Was als kleine Initiative begann, ist von 0 auf 43.000 Mitglieder (Stand 2025) angewachsen. KENAFF, der kenianische nationale Bauernverband, war 2016 nur noch ein Schatten seiner selbst und kaum noch handlungsfähig. Heute zählt er zu den stärksten Bauernverbänden Afrikas, und seit letzter Woche ist ihr Geschäftsführer in der WFO zum Weltbauernpräsidenten gewählt worden. 140 junge Führungskräfte, die das intensive Führungskräfteentwicklungsprogramm „Young Leaders Incubation Programme – YLIP“ absolviert haben, prägen nun als Führungskräfte, Unternehmer:innen und Innovatoren die Landwirtschaft und die Agrarwirtschaft im südlichen und westlichen Afrika. 

Die Wirkung dieses Ansatzes lässt sich auch in Zahlen messen. In den vergangenen Jahren hat die AHA die Kapazitäten von 41 mitgliederbasierten Bauernorganisationen und 15 Dachverbänden auf nationaler, regionaler und globaler Ebene ausgebaut. Diese Zusammenarbeit führte zu einer Vielzahl professioneller Dienstleistungen für die Mitglieder, von denen in den letzten 10 Jahren über 260.000 Landwirtinnen und Landwirte profitierten. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, die ihre Betriebe erfolgreicher führen, neue Einkommensmöglichkeiten erschließen, Verantwortung innerhalb ihrer Organisationen übernehmen und ihrerseits andere als Multiplikatoren unterstützen. Genau darin liegt die besondere Stärke unseres Ansatzes: Die Wirkung beschränkt sich nicht auf Einzelpersonen, sondern reicht durch starke Organisationen, lokale Führungskräfte und effektive Netzwerke weit über die eigentlichen Projektaktivitäten hinaus. 

Foto: Andreas Hermes Akademie / William Veder

Unsere internationalen Aktivitäten begannen jedoch nicht erst im Jahr 2015. Bereits 2006 entstand auf Anfrage der GIZ die Idee, das b|u|s Unternehmertrainings – seit vielen Jahren ein Vorzeigeprogramm in Deutschland – an die Situation von Landwirtinnen und Landwirte in Ländern des globalen Südens anzupassen. Über zwei Jahrzehnte hinweg wurde auf dem afrikanischen Kontinent und in Indien ein Pool von 496 Trainerinnen und Trainern aufgebaut, die heute in der Lage sind, die bewährten b|u|s-Trainings auf Französisch, Englisch und in über 20 lokalen Sprachen durchzuführen. Durch Schulungsprogramme zu Unternehmertum, Genossenschaften, Führungskompetenz und anderen Themen wurden bisher rund 10.000 Landwirtinnen und Landwirte erreicht, darunter 4.150 Frauen und 2.250 junge Menschen. Durch die Einbettung der Schulungsprogramme als Dienstleistung von Bauernverbänden bleiben diese Organisationen aktiv. Regelmäßige Auffrischungskurse, Master-Trainer-Programme und internationaler Austausch gewährleisten Qualität und gemeinsame Werte 

Im Rückblick auf 20 Jahre internationale Zusammenarbeit wird eines deutlich: Entwicklung entsteht nicht allein durch die Verteilung von Geldern. Sie entsteht, wenn Menschen befähigt werden, ihre eigene Zukunft zu gestalten, in professionell geführten Organisationen zusammenzuarbeiten, ihre eigenen Interessen zu vertreten und wirtschaftliche Chancen zu nutzen. In einer globalisierten Welt hängt die Zukunft des Agrar- und Ernährungssektors nicht von Entscheidungen ab, die in Europa, den USA oder China getroffen werden. Ernährungssicherheit, Klimaschutz, stabile Märkte und widerstandsfähige Wertschöpfungsketten lassen sich nur erreichen, wenn Landwirtinnen und Landwirte im globalen Süden gleichberechtigte und professionelle Akteure ihrer eigenen Entwicklung sind. 

Wenn wir die Landwirtschaft stärken wollen, müssen wir Menschen befähigen. Wenn wir Ernährungssysteme nachhaltig gestalten wollen, müssen wir Organisationen stärken. Die letzten 20 Jahre haben gezeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Die Geschichten unserer Partnerorganisationen, Ausbilder und Führungskräfte verdeutlichen, was möglich ist, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und voneinander lernen. 

Darauf können wir alle stolz sein. Und darauf wollen wir in Zukunft aufbauen.

Die Autorin

Nicole Bolomey

Geschäftsleiterin international

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