Zwei Kontinente, eine Vision: Die zweite Runde von Women.Talk.Agribusiness

von Sophie Guerrazzi

Im Rahmen von Women.Talk.Agribusiness (WTA) trafen sich 20 Frauen aus landwirtschaftlichem Unternehmertum und Agribusiness Führung für zwei intensive Wochen in Südafrika und Deutschland. Der Austausch war geprägt von tollen Besuchen, Sisterhood, Wissenstransfer und intensiven Gesprächen zu Themen wie weiblicher Führung im Agrifoodsektor.

Peer-to-Peer Austausche vereinen die unterschiedlichen Aspekte von Fachreisen, Dialogen, interkultureller Verständigung und Geschäftsanbahnung. Sie sind intensiv und vielfältig und verlangen von den Teilnehmenden den vollen „buy-in“. Ihr Erfolg beruht auf einer konzertierten Verbindung von ausgewählten Betriebsbesichtigungen, spannenden Kontakten zu zentralen Institutionen und Gesprächen mit wegweisenden Führungspersonen, dem fachlichen Austausch zu aktuellen Kernthemen, und vertraulichen Räumen zum Dialog über eigene Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge. All das bildet die Basis für das Entstehen wertvoller Netzwerke, persönliche und geschäftliche Beziehungen, und langjähriger Wirkungen weit über diese ersten Austausche hinweg.

So luden wir Anfang 2026 20 Frauen aus Deutschland und Südafrika, Landwirtschaft und Agribusiness, von 26 bis 80 Jahren, aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Sphären ein, jeweils 1 Woche im April in und um Pretoria und Kapstadt, und 1 Woche im Juni in Bonn und Umgebung gemeinsam zu verbringen.

Im herbstlichen Südafrika besuchten wir unter anderem von Frauen geleitete Betriebe wie Lefakong Moringa Farming und das Weingut Delheim. Ein Besuch beim Saatgut- und Agrochemiehersteller Corteva machte uns mit dem Programm ‚Soil-Sisters‘ vertraut, dass Frauen gezielt ausbildet und unterstützt. Podiumsdiskussionen mit Vertreterinnen des südafrikanischen Landwirtschaftsministeriums, dem regionalen Bauernverband SACAU, den nationalen Verbänden AFASA und AgriSA, dem Finanzinstitut LandBank, sowie dem panafrikanischen Policy Netzwerk FANRPAN, sowie dem Agrarattaché der deutschen Botschaft öffneten unsere Augen für die lokalen Aspekte von Handel, Finanzen und dem Zugang zu Land. Programme zur Förderung von Unternehmerinnen, so wurde deutlich, sind in Südafrika wie Deutschland nach wie vor selten und nicht für alle zugänglich. Frauen an Schaltstellen von Institutionen helfen dabei, diese Herausforderungen verstärkt ins Rampenlicht zu rücken und innovative, angepasste Lösungsansätze zu suchen.

Beeindruckend war es, vom Wandel der Landwirtschaft in Südafrika zu hören, die heute ohne Subventionen, hart am Markt produziert und verkauft. Die Unterschiede zwischen schwarzen und weißen Landwirtinnen und Landwirten sind nach wie vor vorhanden, doch sahen wir, dass gerade im Emerging-Farmers Segment die Probleme für alle ähnlich sind und die Zusammenarbeit der Verbände sich positiv entwickelt, um jungen aufstrebenden Unternehmerinnen jeglicher Herkunft die Chancen zu ebnen, erfolgreich zu diesem wichtigen Wirtschaftssektor beizutragen. Abgerundet wurde die Woche durch einen Empfang der Deutschen Botschaft in Pretoria und einen nahezu vollständig weiblich besetzten Abend bei Generalkonsulin Tanja Werheit in der historischen Residenz des Generalkonsulates in Kapstadt.
 

In sommerlich-warmen Deutschland stand ebenfalls ein reiches Programm zwischen dem Münsterland und der Eiffel an. So besuchten wir unter anderem den Geflügelhof Lehnertz sowie den Viehbetrieb Hof Hueske, beide unter der Führung von jungen Unternehmerinnen. Besonders bewegend war für viele Teilnehmerinnen, wie diese jungen Frauen es schaffen, Betriebsführung und Familie zu vereinen. Möglich ist dies nur durch den Rückhalt der Familie, des Partners und eines fortschrittlichen Arbeitgebers sowie dem fortschrittlichen Element der Elternzeit, die den nötigen Freiraum schafft. Ebenso beeindruckte der Besuch bei Agnes Böcker, deren Betrieb durch eine breite Diversifizierung in Produktion, Direktvermarktung und Hoferlebnis besticht.

Ein Höhepunkt war der Termin bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn, wo Präsidentin Dr. Margareta Büning-Fesel einen offenen, äußerst spannenden Austausch zu Fragen weiblicher Führung mit den Teilnehmerinnen anregte. Die unterschiedlichen Podiumsdiskussionen und Gespräche in Deutschland und Südafrika mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik sowie verschiedenen Verbänden zeigten immer wieder, dass die Rolle von Frauen im Agribusiness und Landwirtschaft zwar weit von ideal ist, dass aber inzwischen viele Institutionen dies thematisieren. Fragen wie der Zugang zu Land und zu Finanzierung stellen in beiden Ländern, wenn auch auf unterschiedliche Weise, weiterhin eine große Herausforderung dar. Wir hoffen, dass Projekte, die uns dazu vorgestellt wurden (zum Beispiel zum verbesserten Zugang zu Darlehen) auch wirklich umgesetzt werden.

Initiiert wurde das WTA Programm durch das Netzwerk Women in Agribusiness rund und dessen Gründerin Hella Otten und die Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbands, Susanne Schulze Bockeloh mit dem Unternehmerinnen Fachausschuss des Deutschen Bauernverbandes (DBV). Bereits die erste Ausgabe, die Frauen aus Kenia und Deutschland zusammenbrachte, wirkt bis heute nach. Aus ihr entstand das Netzwerk Women in Agribusiness Kenya, das weiterhin aktiv ist. Die Andreas Hermes Akademie gestaltet und organisiert WTA seit Anbeginn und hat das Format mit der zweiten Ausgabe zwischen Südafrika und Deutschland konsequent weiterentwickelt.

Der eigentliche Wert der beiden Wochen zeigte sich insbesondere auch abseits des offiziellen Programms: Im außergewöhnlich starken Zusammenhalt der Gruppe, im gelebten Sisterhood-Gedanken und im offenen Austausch über persönliche Herausforderungen, unternehmerische Entwicklung und die Geschäftsmodelle der Teilnehmerinnen. Gleichzeitig hielten die Frauen sich und den besuchten Ländern einen Spiegel vor. Sowohl in Deutschland als auch in Südafrika sind Frauen in Landwirtschaft und Agribusiness strukturell weiterhin unterrepräsentiert und allzu selten dort vertreten, wo strategische Entscheidungen getroffen werden. Kultur, Tradition und Entwicklung spielen dabei in unterschiedlicher Weise mit. Gerade dieser Kontrast zwischen großer persönlicher Stärke und strukturellen Hürden machte die beiden Austauschwochen besonders eindrucksvoll.

WTA soll weiter gehen. Die Andreas Hermes Akademie verfolgt zudem gemeinsam mit den Initiatorinnen das Ziel, ein gemeinsames Alumni-Netzwerk aller Teilnehmerinnen aufzubauen und ein regelmäßige Online-Austauschformat zu etablieren, um die entstandenen Beziehungen und den fachlichen Austausch langfristig zu stärken. So soll aus den Austauschen eine nachhaltige Gemeinschaft entstehen, die weit über den offiziellen Programmzeitraum hinaus Wirkung entfaltet. Weitere Austausche, auch außerhalb von Afrika, sind ebenfalls in Planung, und das Fundraising in vollem Gange. Die Andreas Hermes Akademie dankt allen Teilnehmerinnen, Vertreterinnen und Partnerorganisationen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Die unterschiedlichen Podiumsdiskussionen und Gespräche in Deutschland und Südafrika mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik sowie verschiedenen Verbänden zeigten immer wieder, dass die Rolle von Frauen im Agribusiness und Landwirtschaft zwar weit von ideal ist, dass aber inzwischen viele Institutionen dies thematisieren. Fragen wie der Zugang zu Land und zu Finanzierung stellen in beiden Ländern, wenn auch auf unterschiedliche Weise, weiterhin eine große Herausforderung dar. Wir hoffen, dass Projekte, die uns dazu vorgestellt wurden (zum Beispiel zum verbesserten Zugang zu Darlehen) auch wirklich umgesetzt werden.

Die Autorin

Sophie Guerrazzi

Programm Manager International

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