Wirkung über das Projektende hinaus: Die SACAU Community of Practice zu Klimaresilienz

von Christoph Bracher

Was bleibt, wenn ein Projekt endet? Die SACAU Community of Practice zu Klimaresilienz zeigt, wie Projektwirkung über die Laufzeit hinausreichen kann. Anderthalb Jahre nach Projektabschluss arbeitet das Netzwerk weiter – und macht sichtbar, wie aus Austausch langfristige Veränderung entstehen kann.

Die eigentliche Wirkung eines Projekts zeigt sich oft erst, wenn es offiziell beendet ist. Dann wird sichtbar, ob Trainings, Studienreisen und Austauschformate nur gute Momente geschaffen haben – oder ob daraus Netzwerke, Routinen und konkrete Veränderungen entstanden sind. Genau diese Wirkung zeigt sich rund anderthalb Jahre nach Abschluss des BMLEH-finanzierten bilateralen Kooperationsprojekts zur Kapazitätsstärkung von SACAU-Mitgliedern zu Klimaresilienz.

Im Rahmen des dreijährigen Projekts von 2021 bis 2024 wurden gemeinsam mit der Southern African Confederation of Agricultural Unions (SACAU), dem Dachverband von 19 nationalen Bauernorganisationen aus 12 Ländern, Peer-Learning-Formate, virtuelle Austausche und Studienreisen organisiert. Vertreterinnen und Vertreter der Bauernorganisationen sollten dadurch voneinander lernen, externe Expertise einbeziehen und eigene Lösungsansätze für ihre Mitglieder entwickeln. Die SACAU-Mitglieder repräsentieren zusammen über 6 Millionen Bäuerinnen und Bauern im südlichen Afrika.

Ein wichtiger Baustein war die Community of Practice on Climate Resilience (CoP). In ihr bauten Vertreterinnen und Vertreter der Bauernorganisationen Expertise zu klimaresilienter Landwirtschaft auf und tauschten sich mit regionalen sowie deutschen Forschungs- und Technologiezentren aus.

Fortgesetzter Austausch mit aktueller Relevanz

Anderthalb Jahre nach Projektabschluss wird deutlich: Die Community of Practice arbeitet auch über die Projektförderung hinaus weiter. Die Mitglieder bleiben miteinander verbunden, tauschen Informationen aus und nutzen das entstandene Netzwerk, um frühzeitig auf klimatische Entwicklungen zu reagieren.

Ein konkretes Beispiel ist die Vorbereitung auf die erwartete El-Niño-Entwicklung und mögliche Auswirkungen auf die Regenzeit 2026/27. Bereits vor Beginn der nächsten Anbausaison werden Expertinnen und Experten eingebunden, um die Bauernorganisationen in SACAU und ihre Mitglieder rechtzeitig vorzubereiten: Was ist zu erwarten? Was bedeutet das für Niederschlag, Temperaturen und Anbauentscheidungen? Und welche Maßnahmen sollten Betriebe jetzt vorbereiten? Diese Vorbereitungen tragen direkt dazu bei, die Klimaresilienz landwirtschaftlicher Systeme in der Region angesichts zunehmender Folgen des Klimawandels zu stärken.

Vom Austausch zur Anwendung: Pfumvudza als Beispiel für Wissenstransfer

Sichtbar wird die Wirkung des Projekts exemplarisch an einer Praxis, die die CoP-Mitglieder während einer Studienreise in Simbabwe kennenlernten: Pfumvudza, Shona für „neuer Austrieb“. Der Ansatz der konservierenden Landwirtschaft arbeitet mit Pflanzmulden, Bodenbedeckung und einer besseren Nutzung begrenzter Bodenfeuchtigkeit.

Was zunächst als Lernmoment während der Projektaktivitäten begann, wurde von CoP-Mitgliedern weitergetragen – in ihre Länder, Organisationen und Netzwerke. Auch junge Agrarunternehmerinnen und Agrarunternehmer in den Organisationen griffen die Ansätze auf, verbanden sie mit unternehmerischem Denken und entwickelten sie weiter.

Dabei geht es nicht mehr nur um kleinflächige Demonstrationen, sondern darum, die Methoden in größerem Maßstab praktikabel zu machen. Wo früher per Hand gearbeitet wurde, kommen nun zum Teil motorisierte Erdbohrer zum Einsatz, um Pflanzlöcher effizienter anzulegen. Hier wird Projektwirkung greifbar: Wissen wird nicht nur weitergegeben. Es wird angepasst, ausprobiert und umgesetzt.

Bauernorganisationen als zentrale Vertreter der Landwirtschaft in nationalen Klimapolitikprozessen

Auch die Bauernorganisationen selbst konnten durch die Projektaktivitäten ihre Relevanz und Sichtbarkeit erhöhen. Ein Beispiel sind Aktivitäten rund um die national festgelegten Klimabeiträge (Nationally Determined Contributions, NDCs).

Während des Projekts organisierten SACAU und die jeweiligen nationalen Bauernverbände in sechs Ländern Workshops zur Rolle der Landwirtschaft in den NDCs. Dadurch wurden neue Beziehungen und Zugänge zu politischen Prozessen geschaffen. Die Bauernorganisationen konnten besser erkennen, wo Landwirtschaft in nationalen Klimaprozessen verhandelt wird und wie sie die Perspektiven ihrer Mitglieder dort einbringen können. Zugleich wurden die Bauernorganisationen von staatlichen Akteuren stärker als zentrale Vertreter der Landwirtschaft wahrgenommen. Inzwischen werden sie in mehreren Ländern stärker in ministerielle Strukturen eingebunden – teils auch als Mitglieder relevanter Ausschüsse oder Arbeitsgruppen zu den NDCs.

Damit hat das Projekt eine wichtige Brücke geschlagen: von der fachlichen Sensibilisierung zu NDCs hin zu konkreter politischer Teilhabe von Bauernorganisationen in nationalen Klimaprozessen.

Wirkung über Klimaresilienz hinaus

Bemerkenswert ist auch, dass das Projekt über sein ursprüngliches Kernthema hinaus Wirkung entfaltet. Das entstandene Netzwerk wird genutzt, um neue Themen schneller in die Mitgliedsorganisationen zu tragen. Ein aktuelles Beispiel ist der Austausch der CoP zu Standards und Sorgfaltspflichten, die für den Export nach Europa eingehalten werden müssen.

Die CoP wird damit nicht nur zu einem Ort des fachlichen Austauschs, sondern zu einer regionalen Lerninfrastruktur.

Was bleibt. Und was als Nächstes zählt

Das Projekt hat nicht nur Aktivitäten umgesetzt. Es hat Beziehungen, Routinen und fachliche Anschlussfähigkeit geschaffen. Die CoP besteht weiter, Wissen wird weitergegeben, junge Agrarunternehmerinnen und Agrarunternehmer setzen Impulse in die Praxis um, und neue Themen finden ihren Weg in die Bauernorganisationen der Region.

Das ist keine Wirkung, die laut auftritt. Aber es ist eine Wirkung, die trägt: von der Studienreise auf das Feld, vom Austausch in die Organisationen, von einzelnen Lernmomenten hin zu einer regionalen Struktur, die weiterarbeitet.

Damit schafft und erhält die CoP auch die Voraussetzungen, um rasch neue Themen aufzugreifen, aufzubereiten und in einem breiten Netzwerk zu teilen. Sie bietet damit auch für zukünftige Projekte die Möglichkeit, schneller in die Umsetzung zu kommen und über ein bestehendes Netzwerk potenziell Millionen von Bäuerinnen und Bauern zu erreichen.

Der Autor

Christoph Bracher

Programm Manager international

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